Physiologie, Aufbau und Funktion der
Muskulatur / Teil II - Die Muskelzelle
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Teil II - Die
Muskelzelle
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In diesem Beitrag erfahren sie interessante Fakten über den Bau einer
Skelettmuskelzelle, sowie über die Arbeitsweise und Energiebereitstellung
der Muskelzellen. Auch auf die Begriffe statische und dynamische
Muskelarbeit gehe ich ein. |
Bau der Muskelzelle
- Unser kompletter Muskel besteht aus vielen
Muskelfaserbündeln (siehe Abb.1), welche wiederum aus vielen
Muskelfasern bestehen.
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Abb.1 Schematische Ansicht eines Muskels
mit Muskelfaserbündeln |
- Eine einzelne Muskelfaser setzt sich aus vielen einzelnen Muskelfasern,
den Myofibrillen (siehe Abb.2) zusammen. In der Abbildung
haben das Aktinfilament und das Myosinfilament verschiedene Farben. Unter dem
Mikroskop ist diese Aufteilung auch zu erkennen. Daher der Name "quer
gestreifte Muskulatur".
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Abb.2 Schematische Übersicht einer
Muskelfaser mit ihren Mikrofilamenten und
Sarkomeren |
- Eine Myofibrille (= Muskelfaser) besteht aus vielen einzelnen
Sarkomeren.
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Abb.3 Schematische Darstellung eines
Sarkomeres mit Myosinfilament und
Aktinfilament |
- Die Sarkomere bestehen in der Hauptsache aus zwei Einzelteilen, dem
Aktinfilament und dem Myosinfilament, welche
sich ineinander Verschieben können und so eine Kontraktion (Anspannung) des
Muskels bewirken.
Muskelkontraktion
- a) Vom Gehirn kommt über einen motorischen Nerv der Befehl „Muskel
kontrahiere dich“.
- b) Hier wird das elektrische Signal (das sogenannte
Aktionspotential) des Nervs in ein chemisches Signal für die
Muskelzelle umgewandelt. Diese Verbindungsstelle nennt sich motorische
Endplatte.
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Abb.4 Schematische Darstellung der
Erregungsübertragung vom Nerv auf den Muskel |
- c) Ausbreitung der Erregung längs der Muskelzellmembran (=Plasmalemm) und
dem T-System (siehe Abb.3).
- d) Übergreifen der Erregung auf das L-System (siehe Abb.3). Öffnen von
Ca++ Kanälen.
- e) Ca++ diffundiert aus dem L-System in das
Cytoplasma der Muskelzelle und zu den Mikrofilamenten. Die Ca++
Konzentration in den Filamenten steigt um das 1000fache(!) an. Das
Ca++ arbeitet hierbei als Bote in der Muskelzelle (=
intrazellulärer Botenstoff) und ist zuständig für die Infoübertragung von
der Zellmembran zu den Mikrofilamenten.
Erst durch die Freigabe von Ca++ in die Filamente des
Muskels beginnt der Muskel, sich zu kontrahieren.
Arbeitsweise der Muskelzellen bei einer Muskelkontraktion
- Im Ruhezustand bindet sich Troponin an das Aktin (siehe Abb.5 ) und hemmt
damit die Bindung des Aktins an das Myosin (Aktin-Myosin Bindung). An den
Myosinköpfchen haftet jeweils ein ATP.
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Abb.5 Darstellung einer Muskelfaserzelle
im Ruhezustand |
- Wenn nun ein Aktionspotential eintrifft steigt die CA++
Konzentration auf das tausendfache an. Dieses Ca++ bindet sich an
das Troponin und zieht dieses von der Bindungsstelle (Aktin) weg.
- Somit steht das Troponin nicht mehr im Weg und das Myosin kann sich jetzt
an das Aktin binden. Sofort zerfällt das ATP an den Myosinköpfchen unter
Energieabgabe zu ADP und
Phosphat.
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Abb.6 Beginn der Muskelkontraktion durch
wegziehen des Troponins mit Hilfe von
CA++ |
- Durch die freiwerdende Energie der Phosphatabgabe des ATP, schlagen die
Myosinköpfchen um und hangeln sich an dem Aktin entlang (siehe Abb.7). Die
Muskelfaser verkürzt sich.
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Abb.7 Die freigewordene Energie aus dem
Zerfall von ATP zu ADP und P sorgt für ein Umschlagen der
Myosinköpfchen. |
- Wenn die Myosinköpfchen umgeschlagen ist, wird das ADP von den
Myosinköpfchen abgegeben und die Endstellung der Köpfe ist erreicht (siehe
Abb.8).
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Abb.8 Endstellung der Myosinköpfchen nach
ADP Abgabe |
- Die Bindung des frischen ATP mit dem Myosinköpfchen hat eine
„Weichmacherwirkung“. Die Aktin-Myosin-Bindung wird gelöst und das
Myosinköpfchen neu gespannt (siehe Abb.9). Ohne ATP würde ein sogenannter
„stabiler Rigorkomplex“ entstehen, der Muskel wäre dann hart wie Stein und die
Gelenke könnten nicht mehr bewegt werden (z. B. Totenstarre).
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Abb.9 "Nachladen" der Myosinköpfchen mit
ATP, dadurch lösen der Aktin-Myosinbindung und "neu spannen"
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- Jetzt ist wieder die Ruhestellung (siehe Abb.10) von Aktin, Myosin und
Troponin erreicht.
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Abb.10 Erneuter Ruhezustand der
Aktin-Myosin-Filamente |
- Für eine erneute Anspannung muss wieder CA++ die Bindung
zwischen Troponin und Aktin lösen (siehe Abb.6) und das Troponin vom Aktin
wegziehen. Erst dann kann sich das Myosin erneut mit dem Aktin
verbinden.
Solange ein Aktionspotential besteht und CA++ das Troponin
vom Aktin wegzieht, solange arbeitet das Myosin unter Verbrauch von
ATP.
Energiebereitstellung im Muskel
Die Energiebereitstellung im Muskel erfolg normalerweise aerob. Nur im
Notfall, bei Sauerstoffmangel, ist sie anaerob. Für die Anfangsphase der
Muskelkontraktion, solange der nutritive Reflex noch nicht
greift, besitzt die Muskelzelle einen zusätzlichen Energiespeicher, damit sie
nicht anaerob arbeiten muss: das Kreatinphosphat.
Anaerob-alactazider Stoffwechsel
Kreatinphosphat zerfällt zu Kreatin und Phosphat (siehe Abb.11). Die dabei
freiwerdende Energie wird direkt dazu genutzt, um aus ADP und Phosphat ein ATP
aufzubauen. Bei ATP-Überfluss wird der Kreatinphosphatspeicher wieder
gefüllt.
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Abb.11
Kreatinphosphat zerfällt und die dabei freiwerdende Energie wird zur
Bildung von ATP genutzt. |
Der nutritive Reflex sorgt für eine ausreichende Versorgung
des Muskels mit Nährstoffen (Sauerstoff, Glucose, etc.). Über einen Teil unseres
vegetativen Nervensystem (hier Sympathikus) erfolgt eine Anpassung unseres
Herz-Kreislauf-Systems.
- Die Herzfrequenz und das Schlagvolumen des Herzens steigen (=
Herzminutenvolumen steigt).
- Die Gefäße der Muskulatur weiten sich (=Dilatation).
- Die Atemfrequenz steigt um mehr Sauerstoff zur Verfügung zu haben.
Statische Muskelarbeit
Die statische Muskelarbeit ist eine sogenannte Haltearbeit. Sie ist im
Idealfall isometrisch, d. h. die Länge des Muskels bleibt
konstant. Der Ansatz des Muskels ist möglichst weit vom Gelenk (Drehpunkt)
entfernt (siehe Abb.12). Arbeit mit langem Hebelarm bedeutet geringer
Kraftaufwand, vergleichbar mit einer Brechstange, mit der man auch schwere
Lasten leicht anheben kann, der Hebelweg jedoch nur klein ist.
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Abb.12 Ein gutes Beispiel für statische
und dynamische Muskelarbeit ist hier anhand des Ellenbogengelenkes zu
erkennen. |
In den Fasern statisch arbeitender Muskeln wie z. B. der m. brachioradialis
(siehe Abb. 12), befindet sich viel Myoglobin (= roter Muskelfarbstoff) zur
O2 Speicherung. Bei statischer Muskelarbeit werden die Blutgefäße im
Muskel durch die eigene Muskelmasse anhaltend zusammengedrückt. Dadurch kommt es
zu einer Minderdurchblutung und zu einem Sauerstoffmangel, der zum Teil durch
Sauerstoff aus dem Myoglobin behoben werden kann.
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Abb.13 Hier ist gut zu erkennen, das bei
einer Kontraktion des m. brachioradialis nur eine kleiner
Bewegungsausschlag erfolgt. |
Bei sehr langer statischer Arbeit kommt es durch den Sauerstoffmangel zu
einer anaeroben Energiegewinnung. Laktat
sammelt sich im Muskel an und dieser übersäuert.
Bei weiterem Energiemangel entsteht eine Stoffwechselstörung in der
Muskelzelle. Dadurch kommt es zu einem Reparaturversuch innerhalb des Muskels
und Eiweiß lagert sich ab. Diese Ablagerungen sind Myogelosen
(Narben im Muskel).
Dynamische Muskelarbeit
Die dynamische Muskelarbeit verrichtet in der Hauptsache unser gesamter
Bewegungsapparat. Sie ist im Idealfall isotonisch, d. h. die
Spannung des Muskels bleibt konstant, während seine Länge sich verändert. Da
durch wechselnde Bedingungen immer leichte Schwankungen in der Spannung der
Muskulatur stattfinden, ist die dynamische Muskelarbeit in Wirklichkeit
auxotonisch. Der Ansatz des Muskels sollte möglichst nahe am
Gelenk sein (siehe Abb.12), so dass durch eine kleine Kontraktion ein möglichst
großer Bewegungsausschlag entsteht.
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Abb.14 Hier ist zu erkennen, das bei fast
gleicher Muskelkontraktionsstrecke gegenüber dem m. brachioradialis, der
m. biceps brachius einen deutlich höheren Bewegungsausschlag
macht. |
Muskelfasern dynamisch arbeitender Muskulatur enthalten wenig Myoglobin, da
auf eine kurze Anspannungsphase direkt eine Entspannungsphase folgt, in der die
Sauerstoffschuld wieder aufgehoben wird.
Gerne stehe ich Ihnen bei Interesse oder auch Fragen zur Verfügung. Hier
können Sie unverbindlich Kontakt mit mir
aufnehmen.
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