Physiologie, Aufbau und Funktion der Muskulatur /
Teil I - Die Zelle
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Teil I - Die
Zelle
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In diesem Beitrag erfahren Sie, aus welchen einzelnen Organellen die
Zelle besteht, wie unsere Nahrung zu den Zellen gelangt und dort
daraus unter Sauerstoff (aerob) mit Hilfe
des Zitronensäurezyklus Energie gewonnen wird, wie unser
Organismus auch ohne Sauerstoff (anaerob) Energie gewinnen kann, welche
Abfallstoffe dadurch entstehen und welchen praktischen Nutzen wir aus dem
Wissen dieser Abläufe ziehen können. |
- Die Physiologie ist die Wissenschaft von den Grundlagen
des allgemeinen Lebensgeschehens, besonders von den normalen Lebensvorgängen
und Funktionen des menschlichen Organismus.
- Die Pathophysiologie befasst sich mit Krankheitsvorgängen
und Funktionsstörungen im menschlichen Organismus.
- Die Muskelphysiologie beschäftigt sich mit den Grundlagen
der normalen Vorgänge und Funktionen der Muskulatur.
- Die Muskelpathophysiologie befasst sich mit
Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen der Muskulatur.
Die Zelle - Unser Grundbaustein
Eine Zelle (lateinisch cellula = kleine Kammer, Zelle) ist die elementare
Einheit aller Lebewesen. In ihr laufen die fundamentalen Stoffwechselvorgänge
ab, ohne die der Mensch nicht existieren kann. In diesem Kapitel erkläre ich
Ihnen welche kleinen Organe, sogenannte Organellen in der Zelle
vorkommen und deren Funktion.
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Abb.1 Schematische Darstellung einer
Zelle mit ihren Organellen |
Zytoplasma und Organellen der Zelle
Zytoplasma |
Das Zytoplasma füllt die Zelle wie eine „Suppe“. Das
Zytoplasma besteht aus Wasser, Salzen, Eiweiß, Fetttröpfchen, Zucker …
Hier findet auch die sogenannte Glycolyse statt. |
Organellen |
Organellen sind die Funktionseinheiten einer
Zelle (siehe Abb.1). Hier eine Liste mit ihren wichtigsten
Funktionen: |
Zellkern (1) |
Zellkern (Nukleus)
Mit Erbinformation (Baupläne) gespeichert in langen chemischen Molekülen =
DNS/DNA |
Mitochondrien (2) |
Mitochondrien sind
die "Kraftwerke der Zelle". Energiegewinnung aus Zucker mit Hilfe des
Zitronensäurezyklus unter O2-Verbrauch. |
Endoplasmatisches Retikulum (3) |
Endoplasmatisches
Retikulum (ER) sorgt für den Membranaufbau und –speicher, Stofftransport
innerhalb der Zelle (intrazellulär), Stoffspeicher (z. B. Ca++
in der Muskelzelle). |
Ribosomen (4) |
Ribosomen sind die
"Eiweißfabriken" unserer Zellen. Hier werden Eiweiß-Ketten nach
Bauplan (= DNA aus dem Zellkern) zusammengesetzt. |
Golgi-Apparat (5) |
Golgi-Apparat ist
die "Verpackungsfabrik", Sekrete werden hier in kl. Bläschen (=Vesikel)
verpackt und zum Plasmalemm gebracht. Dort wird der Inhalt der Bläschen
abgegeben (=Exozytose). |
Lysosomen (6) |
Lysosomen mit
Eiweiß abbauenden Enzymen. Enzym = Eiweiß, das eine biochemische Reaktion
in Gang setzt, vergleichbar mit einem „Lötkolben“ oder „Schneidbrenner“.
Die Lysosomen verschmelzen mit den ankommenden Nahrungsvakuolen und die
Enzyme der Lysosomen bauen die „Nahrung“ ab. Die Nahrungsvakuolen werden
durch Endozytose gebildet. |
Zytoskelett |
Das Zytoskelett
besitzt Mikrofilamente aus Eiweißfäden, die sich
aneinander entlang hangeln können. Dies bewirkt eine Formveränderung der
Zelle, evtl. Bewegung. |
Mikrotubuli |
Mikrotubuli nennen sich Eiweißröhren (siehe
auch Mikrofilamente) z. B. in Cilien = Geißeln = Flimmerhärchen,
mit deren Hilfe sich z. B. Einzeller wie das Pantoffeltierchen
fortbewegen. |
Mikrovilli |
Als
Mikrovilli werden fingerförmige Membranausstülpung
bezeichnet z. B. zur Oberflächenvergrößerung im
Darm. |
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Abb.2 Ansicht einer Zellmembran mit einem
Kanal- (Poren) Protein hydrophil = wasserfreundlich, hydrophob =
wasserfeindlich |
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Stoffaustausch zwischen Extrazellulärraum und
Intrazellulärraum
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Diffusion
Diffusion bezeichnet den Stoffaustausch längs eines
Konzentrationsgefälles (Prinzip der größtmöglichen Unordnung)
Biologische Membranen (siehe Abb.2) sind nur für bestimmte
Stoffe durchlässig (=semipermeabel). Z. B. kleine, ungeladene Teilchen wie
O2, CO2, H2O aber auch fettähnliche Stoffe.
Viele andere Stoffe gehen durch stoffspezifische Porenproteine, da die Membran
sonst für sie undurchlässig ist, z. B. geladene Teilchen (=Ionen) wie
Na+, Cl- usw. wie in der Nervenzelle (siehe Abb.3).
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Abb.3 Beispiel eines stoffspezifischen
Porenproteins anhand einer Nervenzelle |
Aber auch große Moleküle, z. B. Zucker (Glucose), Insulin (= Schlüssel für
Zucker-Porenproteine). Bei Insulinmangel kann der Zucker nicht in die Zellen, er
bleibt im Blut -> Diabetes mellitus.
Osmose
Osmose ist die Diffusion von H2O zum Ausgleich
von Konzentrationen, z. B. rotes Blutkörperchen "Ery" in konzentrierter
Salzlösung:
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Abb.4 Durch das bestreben des
Wassers, den Salzgehalt im Ery der Umgebung anzugleichen, schrumpft dieses
zusammen. |
Durch das bestreben des Wassers, den Salzgehalt im roten Blutkörperchen "Ery"
dem der Salzlösung anzugleichen, schrumpft das "Ery" immer mehr zusammen (siehe
Abb.4). Dieser Vorgang wird Plasmolyse genannt.
Oder im destilliertem Wasser:
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Abb.5 Hier versucht das Wasser die höhere
Konzentration im Ery auszugleichen |
Jetzt verhält es sich genau entgegengesetzt: Durch das bestreben des Wassers,
den Salzgehalt im roten Blutkörperchen "Ery" dem des destillierten Wassers
anzugleichen, quillt das "Ery" immer mehr auf (siehe Abb.5). Dies kann so
weit gehen, das das "Ery" platzt. Dieser Vorgang
wird Hämolyse genannt.
- Alle Flüssigkeiten mit gleicher Konzentration wie das Zellplasma sind
isoton z. B. 0,9-prozentige NaCl-Lösung.
- Alle Flüssigkeiten mit höherer Konzentration sind hyperton.
- Alle Flüssigkeiten mit niedrigerer Konzentration sind hypoton.
Aktiver Transport nennt sich der Stoffaustausch gegen das
Konzentrationsgefälle unter Energieverbrauch. Z. B. Na+ -
K+ - Pumpe in der Membran von Nervenzellen. Sie pumpt nach der
Erregung Na+ wieder aus der Zelle -> Herstellung der
Ursprungsordnung. Z. B. Jodpumpe in Schilddrüsenzellen.
Exozytose
Golgi-Vesikel wandern zum Plasmalemm, verschmelzen mit diesem und geben ihren
Inhalt nach außen ab.
z. B. Drüsen, Erregungsweitergabe an den Synapsen von
Nervenzelle zu Nervenzelle
Endozytose
Umfließen von „Nahrung“ und Aufnahme in eine Vesikel. Ein Beispiel dafür ist
die Phagozytose (siehe Abb.6).
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Abb.6 Phagozytose: Eine weißes
Blutkörperchen (Leukozyt) frisst eine Bakterie |
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Der Metabolismus (Energiestoffwechsel) der
Zelle
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Katabolismus
Katabolismus = Stoffabbau (auch Dissimilation) dient der Baustoffgewinnung
und der Energiegewinnung. Nährstoffe werden in den Magen-Darm-Trakt aufgenommen
und dort mechanisch zerkleinert (=Verdauung).
Der Kohlenhydratabbau
Kohlenhydrate werden zu Zucker (Glucose)
zerkleinert.
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Abb.7 Kohlenhydratketten
(links) werden zu Glucose (rechts)
zerkleinert |
Glycolyse = anaerobe Energiegewinnung aus Glucose im Zytoplasma
- Im Zytoplasma der (Muskel)zellen findet permanent die
sogenannte Glykolyse statt.
- Dort wird die Glucose (Blutzucker) zur Energiegewinnung in 10 Schritten
verstoffwechselt.
- Die dabei freiwerdende Energie ist gering.
- Endprodukt der Glycolyse sind pro Glukosemolekül:
- 2 Pyruvatmoleküle,
- 2 ATP-Moleküle
- 4 Wasserstoffatome
Die Glycolyse verbraucht keinen Sauerstoff, sie ist also ein
anaerober Vorgang.
In Ruhe bzw. bei geringer Belastung wird praktisch das gesamte entstandene
Pyruvat in den Zitronensäurezyklus zur aeroben
Energiegewinnung eingeschleust. Bei hoher Belastung kann das dann
vermehrt anfallende Pyruvat jedoch nicht mehr vollständig über den
Zitronensäurezyklus verarbeitet werden. Dieser Pyruvatüberschuss wird innerhalb
der (Muskel)zelle in Laktat
umgewandelt.
Zitronensäurezyklus oder Zitratzyklus = aerobe Energiegewinnung aus
Kohlenhydraten in den Mitochondrien
- Das aus der Glycolyse (siehe "Anaerobe Energiegewinnung aus Glucose im
Zytoplasma") entstandene
- Pyruvat gibt innerhalb des Mitochondriums 2
Wasserstoffatome ab und zerfällt dabei zu
- Acetyl-Coenzym A (Ac-CoA) siehe
Abb.8a und Abb.13
- Das Ac-CoA geht in den Zitronensäurezyklus ein und wird
dort immer weiter verbrannt (oxidiert).
- Innerhalb des Zitronensäurezyklus entsteht nur 1 ATP, jedoch 8
Wasserstoffatome, natürlich nicht in gasförmiger Form. Dieser würde
sofort durch Diffusion die Zelle verlassen. Der Wasserstoff in der
Zelle wird mit Hilfe von Coenzymen
gespeichert. Das ist chemisch gebundener Wasserstoff (z.B. in
Form von NADH/H+oder FADH2).
- Alle bis dahin gewonnenen Wasserstoffatome werden
von den Coenzymen abgegeben und unter Sauerstoff mit
großem Energiegewinn in mehreren Teilschritten zu
H2O verbrannt: NADH/H+ +
1/2 O2 => H2O
+ NAD+ + Energie
- Die dabei freiwerdende Energie wird in das Energietransportmolekül ATP verpackt, um portionsweise an die
Stellen des Energieverbrauches gebracht zu werden (z. B. Membran,
Golgi-Apparat, Ribosom, Zytoskelett). Pro Glucose-Molekül werden im
Optimalfall bis zu 38 ADP zu ATP beladen (siehe Abb.
8b).
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Abb.8a Der Zitronensäurezyklus, siehe auch
Abb.13 |
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Abb.8b ADP + P + Energie ergibt
ATP |
Der Fettabbau (Lipolyse)
Fett wird zu Monoglycerid und Fettsäuren
zerkleinert.
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Abb.9 Fett wird zu Monoglycerid und
Fettsäuren zerkleinert |
Die oben genannten Bruchstücke werden ins Blut bzw. in die Lymphe aufgenommen
(=Resorption) und zu den Zellen transportiert. In der Zelle findet weiterer
Abbau statt.
Aerobe Energiegewinnung aus Fett
Körperfett kann ebenfalls in Acetyl-CoA umgewandelt und in den
Zitronensäurezyklus eingeschleust werden, allerdings ist die chemische
Reaktion sehr langsam, so dass diese Form der Energiebereitstellung mit
wachsender Belastung einen abnehmenden relativen Anteil der bereitgestellten
Energie liefert. Ein Rechenbeispiel der Verteilung von Kohlenhydrate und Fett
bei steigender körperlicher Belastung finden unter Kohlenhydrate.
Anaerobe Energiegewinnung aus Fett
Fett kann bei Sauerstoffmangel ebenfalls zu Energiegewinnung herangezogen
werden. Bei der dabei freiwerdenden Energie entsteht CO2 und
H2O, sowie Ketokörper (Abb.10).
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Abb.10 anaerobe Energiegewinnung aus
Fett |
Der Eiweißabbau
Eiweißketten werden zu Aminosäuren
zerkleinert.
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Abb.11 Eiweißketten werden zu Aminosäuren
zerkleinert |
Anaerobe Energiegewinnung aus Eiweiß
Eiweiß kann unter Ausschluss von Sauerstoff abgebaut werden, um Energie zu
gewinnen (Abb.12). Bei der dabei freiwerdenden Energie entsteht Glucose und
Harnstoff.
- Die Energie wird verwendet um ATP generieren
- Der entstandene Harnstoff wird über die Nieren ausgeschieden.
- Die entstandene Glucose geht in den
Kohlenhydratstoffwechsel (Glycolyse bzw. Zitronensäurezyklus)
ein.
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Abb.12 anaerobe Energiegewinnung aus
Eiweiß |
Schematische Zusammenfassung der Energiegewinnung in der (Muskel)zelle
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Abb.13 Schematische Zusammenfassung der
Energiegewinnung in einer (Muskel)zelle. |
Anabolismus = Stoffaufbau (Assimilation)
Der Anabolismus ist zuständig für Wachstum, Regeneration, Enzyme,
Speicherung
Kohlenhydrat-Aufbau
Glucose wird zu Zuckerketten
(Membranbausteine) aufgebaut, oder auch als Glycogen (Energiespeicher) in der
Leber gespeichert. Siehe auch unter: Kohlenhydrate
Fett-Aufbau
Fett wird u.a. als Membranbaustein genutzt
und eignet sich auch hervorragend als Energiespeicher. Dazu wird das Fett in
Depots unter der Haut gespeichert. Siehe auch unter: Fette und Öle
Eiweiß-Aufbau
Geschieht an den Ribosomen: Zusammensetzung
der AS-Ketten nach Bauplan (DNA) aus dem Zellkern (=
Proteinbiosynthese).
Eiweiß ist ein Baustein für Mikrofilamente (Muskel),
Membrane und Enzymaufbau. Siehe auch unter: Eiweiß
Gerne stehe ich Ihnen bei Interesse oder auch Fragen zur Verfügung. Hier
können Sie unverbindlich Kontakt mit mir
aufnehmen.
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